Julia Gerbig - Sprachtrainerin und Übersetzerin
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Wenn Sie sprachliche und interkulturelle Unterstützung brauchen bin ich Ihre Ansprechpartnerin

6. August 2021

Kann Online-Unterricht eigentlich kreativ sein? Und was muss beachtet werden.

“Kann Online-Unterricht eigentlich kreativ sein?”, eine Frage, die ich mir in den letzten Monaten häufig gestellt habe. Am Anfang der Pandemie habe ich den Online-Unterricht nur als Überbrückung angesehen und gar nicht erkannt was man eigentlich alles mit diesem Tool anfangen kann. Es fiel mir auch schwer zu erkennen, wie ich meine Methoden der Sprachvermittlung kreativ umdenken kann. Dann habe ich im Rahmen meines Masters ein spannendes Seminar gehabt, dass meine Augen für die Vielzahl der Möglichkeiten geöffnet hat. Und genau das möchte ich heute hier teilen. 


Wenn Sie überlegen einen Sprachkurs für sich und Ihre Mitarbeiter zu buchen und nicht ganz sicher sind welche Form die Beste ist, dann zeige ich Ihnen hier auf, dass auch Online eine Option sein kann.


Ich möchte mein Fazit vorweg nehmen und sagen, dass auch der Online-Unterricht kreativ sein kann. Die Zutaten, die wir für einen kreativen Unterricht benötigen sind sowohl online wie offline die Gleichen: Wir benötigen eine kreative Lehrkraft, die sich nicht scheut neue Methoden zu implementieren, es braucht eine offene Gruppe, die diese Methoden auch annimmt und wir brauchen einen (geschützten) Raum, indem all das passieren kann. Wenn diese drei Zutaten vorhanden sind, dann kann Kreativität fließen und eine optimale Lehr- und Lernumgebung geschaffen werden, in der die Teilnehmenden auf magische Art und Weise ihr Wissen anwenden können. 

Jedoch gibt es auch ein paar Regeln, die zu beachten sind aber manchmal leider schwer durchzusetzen, wie z. B. das jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin auch tatsächlich ihre Kamera anschalten. Oft geht dies nicht aus technischen Gründen, was die Arbeit des Lehrenden aber oft erschwert bzw. auch die Kommunikation unter den Teilnehmenden. Daher sollte immer darauf geachtet werden, dass die Kameras an sind. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich berichten, dass dies kein leichtes Unterfangen ist und wirklich schwer durchzusetzen. Oft braucht es hier die Ansage der Führungskraft, die den Kurs / das Seminar veranlasst hat, dies auch wirklich durchzusetzen. Sollte es aber wirklich nicht funktionieren, dann passt man sich als Lehrkraft den Gegebenheiten an und die Methoden den Umständen nach.

Eine andere Frage ist, wie groß in diesem Fall die Gruppen sein dürfen. Man kann sagen, the sky is the limit aber das stimmt nicht ganz, wenn es um den Sprachenunterricht geht. Ich sage meinen Kunden immer, dass die maximale Anzahl an Teilnehmenden 10 Personen beträgt. Warum? Ganz einfach, ich kann so am besten gewährleisten, dass alle ihren fairen Anteil an Partizipation bekommen und auch in Gruppenübungen eine gerechte Zahl entsteht. Das hilft auch bei der Planung der Unterrichtseinheiten.


Aber kommen wir nun zum eigentlichen Thema zurück. Wann kann kreativ im Sprachenunterricht online gearbeitet werden? Ich fange immer mit einem Warm-Up an. Hier verwende ich die unterschiedlichsten Methoden. Ich verwende Emotionskärtchen, um die Stimmung der Teilnehmenden abzufragen oder Wort-Assoziationen, um Vokabeln abzufragen und zu festigen. Eine Sache, die ich in den acht Jahren meiner Lehrtätigkeit gelernt habe, ist, dass Wettkampf-Spiele immer eine gute Idee sind.

Wenn es dann um die Vermittlung des Tagesthemas geht, greife ich mittlerweile sehr gerne auf den Chat zurück oder wenn ich mit Zoom arbeite, auch auf das Whiteboard. Es gibt wunderbare Anbieter von online-gestützten Whiteboards, die es mir erlauben meine Teilnehmer in Gruppen zu teilen und selber Inhalte zu erarbeiten. Jedoch sollte dies immer auf die Gruppen angepasst werden, denn nicht jede Gruppe hat die gleiche Dynamik. Bei solchen Aufgaben, bei denen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen selber ein Thema erarbeiten müssen, muss die Zeitplanung beachtet werden. Aber wie? Ich schaue immer wie lange ich für das Thema benötige und verdoppele meine Zeit, um so die Arbeitszeit für meine Gruppe zu ermitteln. Dann rechne ich immer noch circa fünf Minuten hinzu, damit die Gruppe auch eine kurze Verschnaufpause bekommt. Wenn es sich um längere Seminare handelt, dann sollte nach 90 Minuten spätestens eine Pause gemacht werden.

Wenn wir dann schon bei der zeitlichen Planung sind, möchte ich es nicht versäumen kurz zu erwähnen, dass es immer sinnvoll ist, seine Aufgaben, Methoden etc. genau zu planen. Auch hier kann die Berechnung von eben verwendet werden. Das hilft mir im Unterricht einen genauen Überblick über meine mir zur Verfügung stehende Zeit zu behalten. Tipp: Immer einen kleinen Puffer lassen. Man weiß nie was passiert. 

Wenn wir es genau betrachten, dann bietet uns der Online-Unterricht viele Möglichkeiten, wenn sie verantwortungsvoll von allen Seiten wahrgenommen werden. Denn ein negativer Aspekt den der Online-Unterricht bietet ist, dass nicht immer alle Teilnehmenden verantwortungsvoll damit umgehen. Was meine ich damit? Die Zeit im Online-Training kann dazu führen, dass die Teilnehmenden nicht zu 100 Prozent zuhören, sondern ihre E-Mails lesen, Telefonate entgegennehmen oder ein Kollege mit einer “kurzen” Frage ins Büro kommt. Das ist oft schwer zu kontrollieren, vor allem, wenn die Kameras ausgeschaltet sind. Hier baue ich immer auf die Disziplin und den Willen etwas zu lernen. Oft kann ich das Verhalten auch nicht beeinflussen. Trotzdem muss ich im Großen und Ganzen feststellen, dass viele meiner Teilnehmer und Teilnehmerinnen, sich auf den Kurs konzentrieren und alles geben. Denn auch im Online-Unterricht gilt mein Motto: Vertrauen schaffen und auch zusammen lachen!


In diesem Sinne, würde es mich freuen, wenn ich Sie bald in einem Kurs sehen darf und wir gemeinsam an Ihren Zielen in der Sprachenlehre arbeiten oder auch an Ihrem nächsten Übersetzungsprojekt!


Ihre,


Julia Gerbig



 
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